Das Gebäude des Rechenzentrums wurde zur Zeit des New Economy Hypes um die Jahrtausendwende herum errichtet, damals aber überhaupt nicht in Betrieb genommen, da der Betreiber in den Konkurs ging.

Im Jahr 2006 formierte sich eine Gruppe aus drei erfahrenen IT -Hostern, die sich mit einem eigenen Rechenzentrum selbständig machen wollten. Laurens Rosenthal gehört als Innovationsverantwortlicher zu den Gründern. Die Gruppe erwarb das halbfertige Rechenzentrum und begann mit einer grundsätzlichen Neuplanung der Technik. Leitgedanke war dabei, ein leistungsfähiges und energieeffizientes Rechenzentrum zu gestalten. Der Neustart war dabei auch von Vorteil, da man unabhängig von gewohnheitsmäßig „erprobten Technologien“ war und quasi auf der grünen Wiese planen konnte.

Zusammengearbeitet wurde mit dem Niederländischen Institut für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung (TNO), aber auch mit vielen Spezialisten aus dem Sektor. In der Planung wurde schnell klar, dass die gesamte, bereits installierte
Infrastruktur in Frage gestellt werden musste. So wurde die vorhandene Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) als zu ineffizient beurteilt und ersetzt. Rosenthal erinnert sich: „Es gab eine USV in der bereits installierten Infrastruktur. Leider entsprach sie im Test nicht unseren Erwartungen an die Effizienz. Auch zeigte sie sich sehr wartungsanfällig und nicht zuverlässig genug. Im Endeffekt haben wir diese USV ausgebaut und ersetzt.“ Heute arbeitet bei EvoSwitch eine USV mit Delta Conversion und einem Wirkungsgrad von ca. 97 %.

Der Ausbau von EvoSwitch erfolgt in drei Phasen. Anfang 2007 wurden die ersten 2.000 m2 mit etwa 900 Racks in Betrieb genommen. Eine gleichgroße Fläche konnte im Sommer 2008 in Betrieb genommen werden. In der dritten und letzten Phase werden weitere 5.000 m2 in Betrieb folgen.

Für die Gesamteffizienz des Rechenzentrums ist dabei die Trennung von Kalt- und Warmgängen wichtig, denn nur über deren konsequente Trennung werden die hohen Temperaturen möglich. Die Kaltgänge werden mit Luft von 24 °C versorgt, in den
Warmgängen herrschen Temperaturen von ca. 35 °C. Diese hohen Temperaturen in den Warmgängen wiederum ermöglichen es, einen großen Teil der Wärme nicht über Kältemaschinen, sondern über freie Kühlung abzuführen. Der COP-Wert der Kühlung konnte so schon auf einen Wert von etwa 9 gesteigert werden, d.h. mit jedem kW elektrischer Leistung können 9 kW Wärmeleistung abgeführt werden.

Dabei hat EvoSwitch eine freie Kühlung einbauen lassen. Ein energiesparendes Kühlkonzept, bei dem auf geschickte Weise kühle Außenluft benutzt wird. Bei den Temperaturen, wie sie in den Niederlanden herrschen, ist der Kompressor so nur noch 200 Stunden pro Jahr nötig. Zurzeit entwickelt und testet EvoSwitch neue Methoden der freien Kühlung, mit denen mit Inbetriebnahme der letzten 5.000 m2 ein COP von über 20 erreicht werden soll. Dabei sollen, so Rosenthal, „alle Wärmesenken genutzt werden, die Mutter Natur in Holland hergibt.“

Die effiziente USV sowie die sukzessive Verbesserung der Kühlung ermöglichen eine kontinuierliche Senkung des PUE-Wertes. Dieser lag bei Inbetriebnahme bei etwa 1,8, im Sommer 2008 sind etwa 1,6 erreicht und das Ziel liegt bei 1,2 bis 1,3 und damit bei einem Wert, der bei einem so großen Rechenzentrum bemerkenswert ist.

Co-Location-Rechenzentren haben grundsätzlich wenig Möglichkeiten, auf die eingesetzte Hardware und deren Energieverbrauch Einfluss zu nehmen. Um dennoch ein energiebewusstes Verhalten der Kunden zu fördern, werden bei EvoSwitch für jeden Kunden Stromzähler eingebaut. Der Stromverbrauch wird nicht nur für jedes Rack einzeln gemessen, sondern dem Kunden auch als Nebenkosten in Rechnung gestellt. Für viele neue Kunden, die von ihrem bisherigen Rechenzentrum Pauschalpreise mit einer Flatrate für Energie gewöhnt waren, ist das eine Umstellung. Generell sieht EvoSwitch aber Verständnis für die Nebenkostenabrechnung bei den Kunden.

„Und für energieeffiziente Rechenzentren sind zukünftig die Fragen effizienter Software, einer konsequenten Virtualisierung sowie effizienter Hardwarekomponenten entscheidend. Unsere Rolle ist, den Kunden zu beraten und sein Lernen zu Fragen der Energieeffizienz zu unterstützen“, so Rosenthal. Auf Seite der Kunden beobachtet Rosenthal zzt. das „roll-out“ der Virtualisierung. Das Interesse an energieeffizienter Hardware ist am Wachsen, die Verfügbarkeit von Benchmarks und eindeutigen technischen Daten ist allerdings noch begrenzt.

Letztlich ist das Commitment der drei Gründer zentraler Treiber der Energieeffizienz. Das Thema wird regelmäßig auf den Management- und Designmeetings angesprochen. Neben den Zertifizierungen nach ISO 9.001 (Qualitätsmanagement) und ISO 27.001 (IT -Security) wird daher gegenwärtig auch die Zertifizierung nach ISO 14.001 (Umweltmanagement) angestrebt. Die aufkommenden Verfahren der Energieeffizienz-Zertifizierung werden dagegen erst dann für EvoSwitch interessant werden, wenn deren Bekanntheitsgrad sie für die Kunden wichtig macht.

EvoSwitch ist Mitglied in „The Green Grid“ und bezieht regenerativen Strom aus Wind, Sonne und Biomasse. Um den nicht nachhaltigen Energieverbrauch von EvoSwitch, das sind die Notstromaggregate und Firmenwagen, zu kompensieren, initiiert EvoSwitch Kompensationsprojekte gemeinsam mit der Climate Neutral Group.

Daten & Fakten

Betreiber: EvoSwitch
Standort: Amsterdam
Fläche: 9.000 m2
Serveranzahl: zzt. 14.000 Server, Ziel ca. 40.000 Server
Funktion: I T-Hosting für I nternetanbieter
Durchschnittliche Serverauslastung Mitte 2008: je nach Kunde unterschiedlich
Rechenzentrums-Infrastruktur-Energieeffizienz DCI E Anfang 2007: 56 % (PUE = 1,8)
DCI E 2008: 63 % (PUE = 1,6)
DCI E geplant (Endzustand): 83 % (PUE = 1,2)
Energieverbrauch 2007: 44.000.000 KWh